12 Februar 2008

Nachtrag: Revolutionstag, gestern

Zu den unten erwähnten, quasi mentalitätsgeschichtlichen oder sozialpsychologischen Überlegungen zum Massen-Phänomen "Revolutionstag" in Tehran jetzt aus der Distanz eines Tages noch ein paar profanere Anmerkungen. Nachdem ich heute aus dem Institut gekommen bin, bepackt mit einem Stapel Tageszeitungen, bin ich dem IT-Programmierer Arash begegnet, habe auf die Titelseiten gezeigt und im Scherz gefragt, ob er auch am Azadi-Platz gewesen wäre. Die Antwort war typisch nord-tehranisch: "Divunei? Faghat mardome ahmaghane raftand unja!" Was so viel heißt wie: "Bist du verrückt geworden? Da gehen doch nur gehirnamputierte Leute hin!" Kopfschüttelnd hat er durch die Zeitungen geblättert und kommentiert, dass 80% der Iraner oder gar mehr gegen das hiesige Regime wären. Dann ging er wieder Webseiten basteln. Der Hausmeister schaute dem ganzen etwas belustigt zu, meinte auf meine Frage, er sei dort gewesen (wobei ich mir gut vorstellen kann, dass er lediglich mit einer Buddel selbstgebranntem Whiskey zu hause saß und seinem Traum von mehreren Ehefrauen nachhing) und rief im Scherz "Tod Israel!". Später habe ich dann nochmal ausführlich mit einer iranischen Freundin, Starbucks-Fan und fremd ernannte Feministin, gesprochen, deren Reaktion auf meine Frage, ob sie gestern im Süden der Stadt gewesen sei, ebenso harsch ausfiel wie Arashs Antwort. Wir haben dann aber etwas eingehender über das Phänomen "Massendemos" gesprochen und folgende Aspekte - die eigentlich nur logisch erscheinen, aber dennoch einmal beim Namen genannt werden sollten - will ich der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten.

Klar, meinte Ghazal, gibt es auch Leute, die aus ideologischen Gründen zum Regime halten (die Gehirnamputierten, da war sie mit Arash komplett einer Meinung), doch der Großteil der "Revolutionsfans" gestern waren wohl entweder Staatsdiener, sprich "Beamte", oder schlichtweg Mitläufer. Wer hier für die Regierung arbeitet, sei es im öffentlichen Dienst oder in anderen Regierungsunternehmen, der hat definitiv bessere Karten, wenn er den Weisungen der Hand folgt, die ihn (und seine Familie) ernährt. Will heißen: Ich mache mir nur unnötigen Ärger, wenn ich zu so einer Veranstaltung wie gestern nicht hingehe. Wenn der Chef meiner Firma empfiehlt, es sei besser dort Präsenz zu zeigen, alle Demo-Willigen in eine Liste einträgt und Plätze für den vom Staat spendierten Mini- oder Bus reserviert, dann schwimmt man besser nicht gegen den Strom, es sei den man ist scharf auf Mobbing, interessiert sich nicht für Gehaltserhöhungen (man bedenke die rasante iranische Inflation!) und braucht auch keinen Versicherungsschutz. Beim Stichwort "Mitläufer" kommen dann schnell die Basiji ins Spiel, die paramilitärischen Einheiten, die beispielsweise im Iran-Irak-Krieg durch ihre Bereitschaft mit taiwanesischen Paradies-Plastikschlüsseln um den Hals zu Hunderten in irakische Minenfelder zu rennen Bekanntheit erlangten und deren Zahl heute noch in die Hunderttausende und mehr geht. Die Basiji haben in den meisten Schulen und sozialen Einrichtungen eine Anlaufstelle, rekrutieren sich primär aus unteren Schichten und sind zentrales Organisationsmedium, was das Auftreiben von Menschenmaterial für solche Großereignisse wie gestern angeht. Und schließlich redeten wir noch über Obdachlose und Hungernde, die der Staat aus den Dörfern und Ortschaften, die am Rand der größeren Städte liegen, busweise zu solchen Ereignissen kart, mit dem Versprechen, dort gäbe es kostenlos Speis und Trank. (Was auch der Fall war, die Leute haben sich gestern förmlich um Trinkpakete - die auf der Straße vielleicht 10 Cent kosten - und Snacks gerissen.) Mentalität spielt bei solchen Aufläufen gewiss eine Rolle, aber auch der iranische Mensch (vor allem der, der für den Staat arbeitet oder nichts außer Hunger hat) hat auch ein ganz einfaches Leben und damit verbundene Sorgen und Nöte. Deswegen: "Marg bar Amrika! Marg bar Israiil!" Wir verstehen uns.
Die Presse - bzw. ein Teil davon - am Tag danach

11 Februar 2008

Vor 29 Jahren...

Heute war frei und ich war am Azadi.

Schon gestern hatten die meisten iranischen Zeitungen auf der Titelseite darauf hingewiesen: Der 22. Bahman 1386 stand ins Haus. Der Jahrestag der Islamischen Revolution von 1979. Bei der regierungstreuen Keyhan (siehe auch Photo) hörte sich das in etwa so an: „Die Menschen wiederholen den Kampfesmut des Monats Bahman: Morgen alle gemeinsam auf dem Fest der großen Revolution“. (Auf Farsi klingt das dann so: mardom hamaseye bahman ra tekrar mikonand: farda hame ba ham dar dschaschne bozorge enghelab.) Wie es sich für Keyhan – die man als Nord-Tehraner eigentlichen gar nicht lesen kann, ohne schräg angeguckt zu werden – gehört, wurde der Revolutionstag besonders euphorisch angekündigt: Frauen und Männer, Alte und Junge, in Tehran, anderen Städten, gar in Dörfern würden gemeinsam freudig auf die Straßen stürmen, um die Revolution zu feiern und sich innigst eine Erneuerung der Ereignisse von 1979 herbeisehnen.

Soviel vorab. Ich hätte diesen kollektiven Freudentanz dann fast verpasst, da ich gestern bis ca. 4:00 Uhr hiesiger Zeit wach war (ja Skype-Konferenzen mit Deutschland können sich ziehen). Kurz vor dem Wegdämmern habe ich dann auf meinem Handy eine SMS von einer der deutschen Studentinnen entdeckt, in der es hieß, Ahmadinedschad würde morgen um 11:00 Uhr am Meydune Azadi, sprich „Platz der Freiheit“, eine Rede an die Nation halten. Da war natürlich schnell klar, dass aus Ausschlafen nichts würde werden, denn bis dato ist Dr. Tiefbau in Tehran selbst relativ wenig in Erscheinung getreten (auch wenn inzwischen, wo der Wahlkampf an Fahrt gewinnt, sein Konterfei von großen Plakaten über die Plätze dieser Stadt blickt).

Gleich den iranischen Scharen, wollten als auch die ausländischen Studenten zu diesem Großereignis strömen; vom Tajrish und Haft-e Tir, von Vali-ye Asr und Parke Melat. Per Khatti-Taxi ging es Richtung Azadi, doch wie zu erwarten waren die Zufahrtsstraßen so überfüllt, dass die Fahrer ihre Passagiere an irgendwelchen vorgelagerten Plätzen und Kreuzungen neben Massen von Basiji-Bussen auf die Straße spuckten. Was das Einfinden an vorher vereinbarten Treffpunkten angeht, natürlich nicht wirklich ideal. Selbstverständlich funktionierte das bei uns Studenten so beliebte IranCell-Handynetz (wie bei jedem größeren Ereignis in Tehran) auch nicht mehr, weswegen wir alle einzeln irgendwo strandeten und dann in den Sog der Masse gerissen wurden. Letztlich war ich mutterseelenallein in einem Meer von Hunderttausenden Revolutionsfans. Afarin!

Schon im Taxi kamen über’s Radio Live-Berichte vom Azadi. Jugendgruppen, Institutsleiter, Familien und viele mehr taten ihre Meinungen kund. Mein Favorit war eine Frau, die nur zu sagen wusste: „Ich liebe die Revolution!“ Dann zögerte, sich überfordert selbst fragte: „Was soll ich sagen?“ Und dann lautstark ins Mikro rief: „Tod Amerika!“ Aha, soviel dazu. (Aber wahrscheinlich wäre ein tiefschürfenderer Kommentar im staatlichen Radio auch gar nicht erwünscht gewesen.) „Marg bar Amrika!“ bzw. „Marg bar Israiil!“ (d.h. „Tod Amerika“, „Tod Israel“) war, wie bei Veranstaltungen dieser Art üblich, natürlich der slogan of the day. Schon im Taxi sitzend wurde ich darauf eingestimmt. Wird schon nicht so schlimm werden, dachte ich. Wurde es auch nicht, aber als Europäer alleine in einer vorwiegend schwarz gekleideten Menschen(un)menge, kann man sich beizeiten doch etwas… fremd vorkommen. Obwohl, es gab auch diverse Luftballonverkäufer, zumindest ein kleiner Grund zur Farbenfreude; und die unzähligen Zionisten- und Uncle Sam-Puppen (die heute allerdings nicht verbrannt wurden) waren auch vergleichsweise farbenfroh. Zu meiner Überraschung gab es sogar einen großen Stand, wo zum „Wettbewerb für Anti-Amerika&Israel-Puppen“ aufgerufen wurde (siehe Photo). Findig muss man sein, vielleicht lässt sich das ja auch schon eigenständiges Fach studieren: USA-Puppenbau, und im Master: Flagen-Verbrennen.

Irgendwann habe ich mich dann von den Menschenmassen einfach fort spülen lassen und bin dann tatsächlich noch vor die Redner-Bühne getrieben worden, wo Ahmadinedschad ab kurz nach 11:00 Uhr für mehr als eine Stunde über Imame, Ungerechtigkeit, Reformen und die von ihm initiierte und inbrünstig angetriebene iranische Telefonproduktion schwadronierte. (Für die rasche Rückkehr des 12. Imam Mahdi, dem schiitschen Messias quasi, hat er, wenn mich nicht alles täuscht, allerdings einleitend nicht gebetet, wie ja hier und da immer wieder felsenfest behauptet wird, dies gehöre zum Standardrepertoire des internationalen Rumpelstilzchens.) Ich habe von dem Spektakel einige Kurzvideos gemacht, bin mir aber nicht sicher, ob ich sie problemlos in den Blog geladen bekomme. Leider hatte ich meine Kamera gerade nicht zur Hand, als das schwarze Menschenmeer plötzlich in bester Katechismus-Manier seinem Präsidenten auf Fragen wie „Sind wir müde?“ antwortete „Nein, nur Amerika ist müde!“ oder rief „Atomenergie ist das Recht der Muslime!“. Als das Thema dann auf Israel zu sprechen kam (ich bin mir nicht sicher ob heute auch der Einsatz von Radiergummis gepredigt wurde) war ich dann vorbereitet und habe einen schönen „Marg bar Israiil“-Chor aufs digitale Celluloid gebannt. Ein wenig irritierend ist es schon, wenn plötzlich Hunderttausende Kehlen um einen herum brüllen: „Tod Israel!“. Andererseits, vielleicht ist es auch nur eine Marotte der Tradition, eine Phrase, ohne viel dahinter. So wie man beim Karneval halt ruft, „Kölle alaaf!“ oder bei irgendwelchen Reggae-Parties in Kingston, „Bun battybwoy!“ – ohne wirklich homophob zu sein oder zu wissen, dass Fürst Metternich 1635 dem Kölner Kurfürsten nur klar machen wollte, Köln vor allen anderen.

Mit Ende der Telefon-Hymne löste sich die Veranstaltung dann ziemlich rasch auf, bzw. verwandelte sich in einen ausgedehnten Picknick-Flickenteppich rund um das Azadi-Monument - was nicht heißt, dass der Iraner an sich nicht auch schon bei der Rede seines sechsten Präsidenten beizeiten herzhaft in sein Barbari-Brot gebissen oder Bohnen gelutscht hätte. Eventuell trifft es deswegen auch nicht 100%ig, wenn man von „Revolutionsfans“ spricht, möglicherweise ist „Massenmensch“ (mit allen Implikationen, auch wenn sie dem über-individualisierten Westler eher fremdartig erscheinen mögen) besser geeignet, um den Charakter solcher Ereignisse zu erfassen. Sei es, wie es vielleicht nicht ist, ich bin dann auch wieder Richtung Norden aufgebrochen (und hätte mich das erste Mal in dieser Stadt fast verlaufen, doch hat mich die alte Divise, „Immer bergauf“ schließlich wieder auf Kurs gebracht). Schön war’s hier oben nicht nur Tschadoris, sondern wieder die gesunde Mischung von Ganzkörperschleiern, verrutschten Kopftüchern, getunten Mecki-Frisuren und über der Hose getragenen Damenstiefeln zu sehen - letzteres, was die Botschaft angeht, inzwischen schon fast zu vergleichen mit Che Guevara-Hemden vergangener Zeiten in Europa, vor allem deswegen, weil dieser Kleidungsstil vor einigen Wochen verboten wurde. Dafür darf man aber seit einigen Tagen wieder in Cafés rauchen. Jaha, da ist der Iran doch fast moderner als Deutschland! Und mit diesem Satz, kann man doch gut einen Bericht über den 28. Jahrestag der islamischen iranischen Revolution beschließen. Gute Nacht & shab bekheyr!


Kayhan-Titel von gesternAuf dem Weg ins GetümmelUnd los geht's!Hoffentlich kein Hajj-Brücken-Erlebnis, habe ich kurz gedacht...MenschenmeerNoch mehr MenschenmehrBuntSchwarzWie damals mit Khomeinis Wagen...Ballons!!!Live vor OrtAufgeknüpft - doch das ist erst der Anfang...Puppen-WettbewerbAzadi MonumentUnter der FreiheitFrüh übt sich...Dr. Tiefbau (der braune Punkt da in der Mitte - hab ich auch erst auf dem Photo entdeckt... ;- ))Auf Israel sitzt's sich viel bequemer...Mutig, mutig - mit der Jacke!Soldaten im Anmarsch...Mullah und HampelmannUnd nochmalGitterbertbaum

25 Januar 2008

O hochverehrtes Publikum,

verzeih die lange Schweigeperiode, denn natürlich verdienst du's besser. Die letzten Wochen – meine Güte, gar über zwei Monate! – waren hier etwas turbulent, doch jetzt habe ich endlich etwas Ruhe (das heißt: Ferien!) und will erzählen, was sich in letzter Zeit so abenteuerliches zugetragen hat. Gänzlich unversorgt, was Informationen aus hiesigen Gefilden anging, ist man ja aber auch in Deutschland nicht geblieben, denn zum Beispiel "Der Spiegel" hat allein diesen Monat schon zweimal etwas zu sagen gehabt, was über das übliche Atomgefahr-Geseyer hinausging (die Klischeetitel ignoriere ich hier mal): Damenmotorsport und Städtereisen. Vielleicht liegt’s ja daran, dass der Iran von offizieller Seite inzwischen zum Stubentiger degradiert wurde (US-NIE: Iran)... Aber kommen wir zu eigenen Berichten.


Urlaub oder 72 Stunden bis zum Strand

Lang lang ist's her (genau gesagt, es war in den letzten Ferien!) da fassten Ulf, Einar, Simon und ich den Entschluss auf die Ferien-Insel Kisch (siehe auch hier) zu reisen. Kisch liegt ganz im Süden des Landes, im Persischen Golf und weil dort eigentlich immer Sommer ist, wurde es schon zu Schah-Zeiten in eine luxuriöse Partey-Enklave verwandelt. Heute lässt sich die Insel vielleicht mit einem gehobenen Mallorca vergleichen (wenn man Bikinis, Sangria, Tangas und Jürgen Drews raus streicht), jährlich reisen über 1 Million Iraner auf das Wüsteneiland und der Eigentümer ist inzwischen der Pistazien-Schah Rafsandschani. In Tehran herrschten damals schon winterliche Temperaturen, weswegen uns die Aussicht auf 25°, Sandstrand und türkisfarbenes Wasser entsprechend verlockend erschienen. Da wir uns dann aber doch etwas vom Mallorca-Pauschaltourismus abgrenzen wollten, haben wir uns gegen die bequeme* Flugzeug-Variante entschieden (sehr zum Entsetzen der reisefaulen Tehraner, die eigentlich jede Distanz über 10m "ba mashin", will heißen mit dem Auto oder sonst einem Gefährt überwinden) und erneut die klassische Bus-Zugreise gewählt.

So sollte uns dann die erste Nachtzug-Etappe von Tehran bis ins schöne Ahwaz führen, letzteres ein charmevoller Beton-Moloch, der sein Stadtbild den rabiaten städtebaulichen Maßnahmen des Irak-Iran-Krieges verdankte und von dem uns Geschichten zugetragen wurden, dass dort im vergangenen Jahr ein deutscher Student von einem Mob durch die Straßen gejagt wurde. Vielleicht lag es an diesem mediokren Renommee, dass wir uns schließlich dazu entschieden doch schon in Herrgottsfrühe in Shush – eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Menschheit – auszusteigen, um dort den über 3000 Jahre alten, elamitischen Stufentempel von Tschoga Zanbil und das Danielsgrab zu besuchen. Nachdem sich unsere Ohren den Druckverhältnissen der Tiefebene angepasst hatten (nach 2,5 Monaten Leben auf ca. 1.200 Metern spielen die Ohren ganz schön verrückt) war dies auch durchaus interessant und sehenswert (siehe Photos). In meinen Augen am malerischsten (und leider gibt es davon keine Photos, weswegen sich der geneigte Leser allein auf seine Vorstellungskraft verlassen muss) war allerdings ein Unfall, den wir auf dem Weg zum Tempel passierten: Zuerst lag dort ein lädierter blauen Zayman-Pickup auf dem Mittelsteifen, der seiner kompletten Ladung Silberfarbe verlustig gegangen war, die nun die Landstraße verschönerte. Alsbald folgten an die sechs Dutzend tote Schafe und Ziegen, die in an Hieronymus Bosch gemahnende Ästhetik auf den zwei Fahrbahnen verteilt waren; der Künstler, ein russischer 16-Tonner, ruhte nicht fern im Straßengraben. Fließend ging die fleischliche Kunst in bunteres Farbenspiel über, denn in einem letzten Schritt waren von einem zweiten LKW auf ungefähr 50 Metern Länge unzählige Kürbisse verteilt und von anderen Autos mit filigranen Spurrinnen versehen worden, "Fruchtsaft", wie unser Fahrer lapidar kommentierte, hier und da gesprenkelt mit einzelnen verbliebenen Tierkadavern. Wir haben zwar lange spekuliert, in welcher Abfolge sich dieser Unfall wohl zugetragen haben mag, sind dann aber schließlich doch ohne Antworten nach Ahwaz weitergereist, um von dort mit dem Bus Bushehr anzusteuern.

Über die Hafenstadt Bushehr, einst Knotenpunkt des iranischen Seehandels, durch den Iran-Iran-Krieg von diesem Posten aber durch Bandar-e Abbas verdrängt, schreibt der Lonely Planet so liebliche Sätze wie "a clapped-out ruin, resembling Grozny after the third Russian war". Da war unsere Neugier selbstverständlich sofort geweckt, denn der idyllische tschetschenische Kurort steht bekanntermaßen ganz oben auf der „zu bereisen“-Liste eines jeden Kosmopoliten! Die Altstadt war dann auch wirklich einen Spaziergang wert, auch wenn die drückende Hitze der Windstille uns an Tehraner Winterwetter gewöhnte Studenten etwas zu schaffen machte. Abkühlung gab’s dann noch bei einer Speedboatfahrt, bei der der gute aqhaye aksima (andere nennen ihn Simon) beinahe über Bord geflogen wäre. Ansonsten hat das muckelige Bushehr, abgesehen von quirligen Donnerstagabenden, einem ganz hübschen traditionellem Fisch-Restaurant, dass sich schon heute auf iranischen Atom-Strom verlässt, und einer Überportion gebrauchter Heroinspritzen, die wie Herbstblätter überall in der Stadt verteilt lagen, nicht allzu viel zu bieten, weswegen uns dann auch rasch wieder das Reisefieber packte und wir wieder in den Bus stiegen. Sandstrände, Palmen und barbus… nein, stimmt ja, nur Sandstrände und Palmen warteten auf uns! Kisch!

Die letzte Etappe zur Insel ging über Bandar-e Langeh (was wir mitten in der Nacht fast verpasst hätten, was andererseits auch nicht gravierend gewesen wäre, da dieser hybride Hafenort einer arabisch-iranischen Mischkultur wirklich nichts zu bieten hat, außer Spritzen, Spritzen und noch mehr Spritzen - selbst im Mülleimer der Duschkabine unseres Hostels) und Bandar-e Charak (von dort starten die Speedboate nach Kisch und ein bisschen erinnerte der Ritt über die Wellen des Persischen Golfs, zusammengepfercht im Heck einer Polyethylennussschale mit 200PS-Außenborder, stets unter dem wachsamen Auge eines kräftigen schwarzafrikanischen Captains doch an einen Flüchtlingstrip gen Italien, khoda ra shokr blieb uns ein Lampedusa-Intermezzo erspart). Nach dreitägiger Anreise setzten wir dann schließlich unsere Füße auf den Boden des gelobten Eilands, fuhren über Blumen gesäumte Boulevards (Blumenkästen sogar auf dem Mittelstreifen!), bewunderten die Stahlgerippe unfertiger Hotelburgen, kehrten ein in einem Hotel, wo das Bett 15 Euro pro Nacht kostete (nachdem wir zuvor stets nur 1-2 Euro pro Bett bezahlt hatten), streiften unsere Badehosen über, liefen derart gekleidet durch den künstlichen Konsumort und… gingen baden. Wirklich! Zwei Tage nachdem man in Deutschland wehmütig in den Stiefel geschaut hatte. Wenn mich jetzt nicht alles täuscht, sind wir zwei (oder waren’s doch drei?) Nächte auf Kisch geblieben, haben gebadet, Beachvolleyball und Billard gespielt, eine Inselumrundung mit absoluten Schrottschesen gemacht, sind durch halbvergreiste Malls geschlendert (der typische Iraner ist lieber im Sommer auf der Insel) und haben den wenigen iranischen Gästen beim Bananen-Fahren zu geschaut (Frauen nur im Schwimmpiyama!). Und fast wären wir noch länger auf der Vergnügungsinsel geblieben, denn als wir zurück zum Festland und von dort weiter nach Bandar-e Abbas und Qheshm wollten, ging das plötzlich nicht mehr, da für den iranischen Speedboatcaptain zu viel Wind herrschte (soviel wie an einem ruhigen Tag in Cuxhaven) und die Fähren in Bandar-e Langeh sich offenbar auch nicht aufs Wasser trauten. Sich schon mit der Vorstellung anfreundend, am nächsten Dehkhoda-Sprachkurs am Strand liegend online zu beehren, haben wir dann unsere Reiseplanung komplett umgeworfen, sind in die nächste Tupolew nach Tehran gestiegen und waren 1,5 Stunden später, ganz in Pauschaltouristenmanier, wieder daheim. Und wer sich jetzt wundert, ja, richtig gelesen, Michel ist im Iran geflogen, mit einem Flugzeug, ohne Ersatzteile, russischer Bauart auch noch, mit Sitzen, die so ausgeleiert waren, dass man sie gar nicht mehr in eine "aufrechte Sitzposition" bringen konnte, und und und. Und ich lebe noch, es war entspannender (sprich ruhiger) als alle Flüge, die ich bisher in Europa auf mich genommen habe und deshalb bin ich in den nächsten Tagen auch gleich noch zweimal geflogen! (War auf einer Hochzeit in der Nähe von Assaluyeh, dem Ort mit der größten iranischen Erdgasförderanlage, eingeladen.) So war das, unsere zweite große Iran-Tour.


* Die Attributierung "bequem" liegt hier auch ganz im Auge des Betrachters. Wohl möglich wär's bequemer gewesen, binnen 1,5 Stunden am Strand zu liegen, doch fragte ich mich immer, ob ein Flug in einem Land, dass ob der internationalen Sanktionen keine Ersatzteile für seine Flugzeuge mehr einführen konnte (und russischer Qualität misstraute), überhaupt an einen Strand führen oder irgendwo an einer Schnee überzogenen Bergflanke der Zagros-Berge enden würde.


Feiern bis die Basiji kommen

Ende Januar das heißt, es waren diverse Feierlichkeiten zu begehen. Weihnachten, Sylvester, Geburtstag und ganz zu schweigen von den üblichen Parteys, die hier inzwischen meist jedes Wochenende stattfinden.

Von einer dieser Parteys, ich nenne sie mal "Niavaran-Partey", weil sie stets in einem Penthouse-Appartement in nördlichen Berghangstadtteil Niavaran stattfindet, stammt auch das neue, psychodelische Blog-Eingangs-Photo. Da wird dann samt DJ und richtiger Public Audience-Soundanlage gesteppt, bis die Polizei kommt, dann ist kurz Ruhe und die Iraner raunen einem zu "Wenn Polizei kommt hoch, Sie sprechen nur deutsch!", ein paar Herren gehen mit einem dicken Geldbündel (mir wurde gesagt, so ca. 500.000 Rial also in etwa 40 Euro) nach unten, die Polizei verschwindet und dann heißt es wieder: pump up the volume! Etwas unentspannter war das Erlebnis, welches einige deutsche Studenten und ich nach einer anderen Partey (eigentlich war's eher ein klassischer Sit-In) hatten: Wir saßen gerade im Taxi gen Tajrish-Platz, ich auf dem Beifahrersitz, drei angeheiterte deutsche Studenten auf der Rückbank, als wir von einem anderem Auto angehalten wurde, fünf Männer (einer davon mit Maschinengewehr) ausstiegen und das gleiche vom Taxifahrer und schließlich mir forderten. Das war schon ein wenig merkwürdig, doch ich habe mich dann schnell des Ratschlags besonnen, auf keinen Fall Farsi zu sprechen (was gar nicht so einfach ist, wenn man seit mehreren Monaten krampfhaft versucht eben nur diese Sprache zu sprechen) und mich kurzerhand für Englisch entschieden, da ich irgendwo gelesen habe, dass die meisten Iraner aufgrund internationaler Anbindungen eher Deutsch und Französisch, als Englisch sprechen. Im Endeffekt war es die richtige Entscheidung – die Herren in Zivil erkannten, dass wir "nur Ausländer" waren und nach einigen bangen Minuten konnten wir unseres Weges ziehen. Allerdings möchte ich nicht wissen, was passiert wäre, wenn nicht ich Abstinenzler, sondern einer der Fahnenträger vorne gesessen und aussteigen hätte müssen oder gar der gute Abu Kak (Name v. d. Red. geändert) sich beim Verlassen der Partey doch dazu entschlossen hätte, seinen Kanister Rosinenschnaps mitzunehmen...

Weihnachten war hingegen ziemlich entspannt und wurde im Kreise deutscher Studenten in der DAI-Küche begangen; mit Braten, Kuchen (der Biskuitrollenbackversuch scheiterte leider an mangelhafter Ausrüstung), Sauerkraut, elektronischem Tannenbaum und geschmetterten Weihnachtsliedern (danke an die Fundamentalistenfraktion!). Am Ende gab’s noch Juhlklapp, ich habe anlässlich der Situation einen handgemachten Tschador verschenkt und eine Überdosis Poffak (eine Art Käse-Luft-Chips, von der wir auf der Kisch-Tour einige Pakete – okay, und ich einige Pakete mehr – verzehrt haben, mit denen man mich inzwischen aber jagen kann) bekommen. Abschließend wurde die Festivität in den Friseur-Salon (ich glaube, es ist bekannt, dass drei – nein, inzwischen sind es nur noch zwei, denn der gute Einar ist ja vorgestern zurück nach Husum – deutsche Studenten in einem ausrangierten Friseur-Salon an der Valiye-Asr-Straße wohnen/hausen/vegetieren) verlegt und kam dort irgendwann zu einem Ende. Sylvester fand dort ebenfalls statt, allerdings nur mit zwei Personen, Ulf und Einar, die dort sowieso wohnten. Der Rest der deutschen Studentengemeinde hat entweder verschlafen, steckte irgendwo im Schnee fest, war im Bus auf der Rückreise nach Tehran oder ganz einfach krank – wie ich. War aber nicht schlimm, denn Sylvester ist ja immer so eine Sache, man strengt sich an, will die beste Partey zelebrieren und am Ende kann man nur die Schultern zucken und sagen: naja, ganz nett war's. Dafür haben wir es dann zum Anlass meines Geburtstags (Einar hatte zufällig am gleichen Tag Geburtstag!) im Friseur-Salon richtig krachen lassen und bei deutschem Nudelsalat und iranischen Thunfischsalat bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Geschenke gab's auch diesmal en masse und neben einem Hafez-Divan und einem Iran-Bildband freute ich mich doch am meisten über die Sturmhaube und das Hamas-typische "Ia Abol Fasl!"-Märtyrer-Stirnband, was sich besonders gut in Kombination macht und mich immer wieder zu dem Gedanken animiert, was wohl passiert, wenn ich mit dem Stirnband auf der Birne meine Air-France-Maschine nach Deutschland besteige. Ich glaube, dass ist wirklich einen Versuch wert!


Wertes, verehrtes und hoch verehrtes Publikum, es ist in diesen zwei Monaten wirklich eine Menge passiert, zum Beispiel war letztes Wochenende auch noch Julia zu einem Überraschungsbesuch hier, was auch ohne Vorab-Visum ganz wunderbar geklappt hat – also wer am Wochenende noch nichts vorhat, Tehran ist immer eine Reise wert! Doch inzwischen habe ich schon über drei Word-Seiten geschrieben und ich glaube, weitere Ausführungen würden euch nur ermüden und mich und mein Langzeitgedächtnis überstrapazieren. Deswegen hier erstmal Punkt und Schluss, viel Spaß mit den Photos und ich gelobe Besserung, was die Informationspolitik in diesem Blog angeht. Bedrud! (Das sagt man hier auch für Tschüss, ist nicht so religiös angehaucht wie Khoda Hafez, dafür aber sehr alt und literarisch – und so was mag ich bekanntlich ja!)


Shush: Stufentempel von Tschoga ZanbilShush: Tschoga ZanbilShush: Frühstück mit Hosseyn und ColaShush: Danielsgrab (ihr wisst schon, der aus der Bibel mit den 4 Weltreichen und so)Shush: Gebete im GrabShush: Ohja! Das sieht Ulf ganz genauso!Bushehr: Welcome to Grozny!?!Bushehr: Altstadt-ErkundungBushehr: Tod Israel - und Amerika gleich mit!Bushehr: Der Junge (Einar) muss auch überall raufklettern...Bushehr: Am Ende haben wir ihn überredet, zu springen - ein sehr schönes Photo, wie ich finde, Bewegung, in der Bewegung eingefangenBushehr: Fisch-Restaurant auf Atom-StromBushehr: SpeedboatenBushehr: An de WaterkantBushehr: Zum Glück ist keiner reingetreten...On the road againBandar-e Charak: Kurz vor dem Start...Kisch: Angekommen? Falsche Seite, der Hafen ist an der Südküste, aber die Griechen sind ja eh immer hacke...Kisch: Sitten gehen baden (im Hintergrund eine iranische Piyamafrau)Kisch: Ulf umadKisch: On bikeKisch: Michel, Ulf und Herr AksimaKisch: Ich bin der rechts außen!Kisch: Was ein Mann!!!Kisch: Eigentlich sollte er just in diesem Moment abgesaugt und direkt ins Paradies befördert werden...Kisch: Wo geht's denn hier zur Freitagsmoschee?Kisch: Eina va aitballKisch: SonnenuntergangKisch: Willkommen an Bord! Und ich war tatsächlich auch dabei!Wieder in Tehran: Heil gelanden, das musste ich fotographieren...Tehran/Mehrabad: Vor dem FlughafenAssaluyeh: Wieder unterwegs, Hochzeit bei den Tomatenfarmern (und das kleine Mädchen ist NICHT die Braut!)Assaluyeh: Michel und die TomatenfarmerNiavaran Partey: Khosh amadid!Niavaran Partey: Shake it!Niavaran Partey: Da freut sich der AksimaNiavaran Partey: Im Iran ein eher seltener Anblick...Niavaran Partey: Das beste Photo des Abends!Andere Partey, diesmal mit vorwiegend schwulen GästenAuf dem Heimweg - aber dem Taxifahrer (links) hat's gefallen!Das Auge im Hintergrund erinnert irgendwie an "Der Fluch"...Weinachtsvorbereitungen: Khanome Agnes hilft bei der HühnersuppeWeihnachtsfeier: Ulf in seinem Element - Singen!Weihnachtsfeier: Ihr hat das Geschenk gefallen...Weihnachtsfeier: ...mir auch!Geburtstag: GästInnenIa Abolfasl!Julia zu Besuch und der Beweis, dass auch graue Photos schön sein könnenEis und IcepackAuch der europäischen Frau steht das KopftuchUnderground-DesignerwarenverkaufSo zählt man hier Geld, ich kann das inzwischen auch!Niavaran SchlossDie Golestan-Mall bei Nacht: im Hintergrund der Gisha-Turm, Borj-e Millad, im Vordergrund die Sittenpolizei mit Tourbus (um unpassend gekleidete Jugendliche einzusammeln)Es gab eine Zeit, da gab es in unserem Sprach-Institut nur Bier zu trinken......trotzdem habe ich den Kurs geschafft!Und wie geht's weiter? (Eigentlich keine Einbahnstraße...)

21 November 2007

»Für den Müll«

Heute ist eine schmutzige Wahrheit ans Licht gekommen. Wir saßen gerade in unserem Klassenzimmer im Dehkhoda-Institut und haben darüber gesprochen, in welchem Jahrhundert wir gerne leben würden, da drang von der Vali Asr-Straße eine altbekannte Melodie durch die offenen Fenster hinein. Das Klangbild elektronisch leicht verzerrt, als spielte jemand auf einem alten Synthesizer, doch lautstark und auch aus der Ferne deutlich zu erkennen, definitiv europäisch. Ich hatte die Melodie nun schon mehrmals in Tehran vernommen. Das erste Mal stand ich am Tag nach meiner Ankunft gerade unter der Dusche, als von draußen das Lied an mein Ohr drang. Etwas irritierend war das schon, diese vertraute Melodie, die vermutlich fast jeder Mitteleuropäer kennt, dessen kleine Schwester irgendwann einmal Klavierstunden genommen hat, hier auf den Straßen der Islamischen Republik Iran zu hören. Irritierend, aber auch angenehm, denn das Klavierstück – auch in seiner hier präsentierten elektronischen Variante – ist mir irgendwo doch so vertraut wie Schwarzbrot und der Hamburger Hafen (um mal ein paar heimatliche Plattitüden zu dreschen). Umso größer war der Aufschrei der Entrüstung, der heute durch den Farsi-Kurs ging, als nach einer Frage an die Lehrerin offenbar wurde, was es mit dieser Melodie auf sich hat: Die Tehraner Müllabfuhr kündigt damit ihr Kommen an, um auch den letzten Messy zu animieren, seinen aschghal auf die Strasse zu bringen. Der gute Ludwig Van wird sich im Grabe umdrehen, denn zu „Für Elise“ wird in Tehran der Müll eingesammelt und abtransportiert! Ey baba!

12 November 2007

Zurück in die Vergangenheit Oder In der Wüste hört dich niemand tanzen!

Wie wohl bekannt sein mag, haben wir zwischenzeitlich unseren zweiten Wochenendausflug bestritten: Ursprünglich wollten wir für zwei Tage in die schiitische Schreinstadt Mashad, ganz im Westen des Landes, nahe der Grenze zu Afghanistan, fahren, doch dann gab es eine Planänderung und die Reise ging spontan in die Wüste (nahe Kashan). Dieser Kurztrip liegt nun schon anderthalb Wochen zurück und bevor ich über täglich neu gelernte Farsi-Vokabeln sämtliche Details des Tour vergesse, hier nun kurz der Rückblick, inklusive Photos. Dabei muss ich zu meiner Verteidigung anmerken, ich hätte schon viel früher geschrieben, wollte aber noch auf einige Bilder von Simon warten. Der ist jedoch zwischenzeitlich für eine Woche nach Deutschland geflogen, sollte heute zurückkehren und wir wissen nicht, ob er es überhaupt schafft, wieder einzureisen (hat man nur ein Einmal-Einreise-Visum ist das nicht ganz einfach). Außerdem habe ich mich gestern bei einer Skype-Konferenz bis 2:30 Uhr morgens leicht verkühlt, weswegen mir Reminiszenzen an die Wüste sehr gelegen kommen.

Wenn man in Teheran lebt, dann mutet eine Wochenendtour in die nächste Wüste äußert reizvoll an; sofort tauchen Bilder und Szenen von einsamen Landschaften, klarer Luft, Abgeschiedenheit und Stille vor dem inneren Auge auf – das krasse Kontrastprogramm also zu diesem 15 Millionenmoloch. Ein erste Indizienkette, dass uns möglicherweise etwas anderes als Stille und Einsamkeit erwarten würde, offenbarte sich uns allerdings bereits wenige Minuten nachdem unser mittelgroßer Minibus mit zugezogenen Vorhängen vom Vanak-Platz gestartet war: Wummernde iranische Popmusik und zwei Iranerinnen die klatschend mit abgelegten ruzaris (Kopftüchern) anfingen zwischen den Stuhlreihen zu tanzen. Ulf, der letztes Jahr schon einmal hier war, hatte mir bereits von den berüchtigten Parteybussen erzählt, die regulär von Teheran in alle Teile des Landes aufbrechen: Vorhänge zu, Musik bis zum Anschlag, Kopftücher runter und ab dafür! Nur einen professionellen Witzeerzähler hatten wir nicht an Bord – alhamduillah! Wahrscheinlich lag es an der nord- oder allgemein deutschen Reserviertheit, die wir insgesamt fünf Deutschen in Bezug auf die Tanzattacke an den Tag legten, dass diese schon nach etwa einer Viertelstunde wieder eingestellt wurde. Was dann abgesehen von einigen kleineren Eruptionen des Hüftenkreisens während der restlichen Tour auch so blieb. Wenn ich mich jetzt aber nicht fehl erinnere, blieben die ruzaris die meiste Zeit über unbenutzt. Vielleicht gibt es eine Anti-Hitzschlag-Passage im Koran, die Frauen, die in die Wüste reisen, dass Ablegen des Kopftuchs erlaubt, mag man anfangs noch gedacht haben, doch wir wurden schnell eines besseren belehrt. That’s Iran, Man!

Hatten wir Deutschen immer noch darauf spekuliert, irgendwo ein stilles Plätzchen in der Wüsten Weite aufzusuchen (der Großteil von uns war irgendwann schon mal in der Weißen Wüste in Ägypten gewesen und hatte wohl von diesen Erinnerungen zehrend seine Wunschvorstellungen angereichert) so entpuppte sich unser Zielort als eine Art Partey-Oase mitten im Nirgendwo einer Geröllöde. Neben einer alten Karawanserei (gerüchteweise noch aus der Zeit von Schah Abbas I.) fanden sich einige von Bäumen umsäumte Wasserbassins (mit einer Horde übergroßer Gänse), um die herum mehrere Betonflächen angelegt worden waren. Semiidyllisch, möchte man sagen, zumindest auf den ersten Blick – und die drei Dutzend kunterbunten Supermarktzelte, die bereits von anderen Reisegruppen aufgestellt worden waren, mal ausgerechnet. Im Laufe der Nacht wuchs die parteyfreudige (oder wie man hier sagt: schabsendehdar) Gemeinschaft dann auf ca. 150 Personen an. Das Dutzend Iraner (darunter Familienväter, Frischverheiratete und Computerprogrammierer mit I-Phone), mit dem wir angereist waren, hatte uns schon zuvor freudig verkündigt, man wolle die Nacht unbedingt durchmachen. Chi? Ich glaube, ich habe das letzte Mal durchgemacht als ich fünfzehn war und schon damals erschien mir das als pubertärer Durchhaltewettbewerb ohne Sinn und Zweck. Wir machen heute durch, coole Sache, dann mal los – bloß dass nach 3:00 eigentlich jeder schlafen will. Offenbar schlagen die Reglements des hiesige Regimes unter der Jugend seltsame Triebe; wenn man keine richtigen Parteys hat, um die Nacht mehr oder minder automatisch durchzumachen, muss eben die Wüste herhalten. Also wurde selbstgebrannter Cognac (zumindest nannten die Iraner es so und nach Aussagen der deutschen Mitreisenden auch durchaus geschmackvoll) und Heinecken herumgereicht, Granatäpfel gelutscht, alte persische Weisen (vielleicht waren es auch die neusten Chartbreaker) am Lagerfeuer gesungen, getanzt, in den Sternenhimmel geguckt – und ausgiebig gekotzt (der arme Omid hatte offenbar zu oft und zu tief in seinen Pappbecher mit Cognac geguckt und hatte daran bis zum Morgen seine reine Freude). Wir sind irgendwann gegen 2:00 ins Charijii-Zelt gekrabbelt, während die iranische Runde zu Omids Kotzklängen wie angekündigt durchmachte.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Tour das absolute Highlight nicht gewesen ist und auf meinem persönlichen Ranking hinter der ersten Kashan-Abyuneh-Yazd-Reise rangiert. Das liegt wohl auch daran, dass ich eigentlich etwas gänzlich anderes erwartet hat. Zudem haben wir in etwa 45% der Zeit in unserem Reisebus, 40% der Zeit in der Partey-Oase und gerade mal 15% der Zeit in der Wüste selbst verbracht. Das war dann aber auch durchaus ein Erlebnis. Sandmeere, wie sie im Buche stehen, mit beeindruckenden Dünen und eine karge, in ihren Ausmaßen gewaltige Salzwüste. Des Nachts gab es dann noch einem Myriaden Silbersplittern gleichenden Nachthimmel und einen orangeroten Mond über dem nächtlichen Horizont. Schlecht ist es nicht gewesen, aber auch nicht das Gelbe vom Ei.
Partey-Oase 1Partey-Oase 2Partey-Oase 3Für die Nachweltschabsendehdar...am FeuerKabab, wie immer, diesmal in der KarawansereiSalzwüsteDune RoadSchuhshootingWalk like an EgyptianWüsten WasserWhassa!?The Cell, zumindest nahe dranIch bete es anScherenschnittOben angekommenSunsetspottersDes deutschen Reisenden Lieblingsbeschäftigung

27 Oktober 2007

Haha! Kleiner Scherz...

Da die Archäologen aus Oxford gerade noch die Küche in Beschlag nehmen, wodurch ich an der Zubereitung meines Abendessens (gebratene Makaruni, Tomaten & iranischer Feta) gehindert werde, nutze ich einmal die Zeit um mein wertes elektronisches Tagebuch auf den neusten, bzw. einen etwas neueren Stand zu bringen. Was macht mein Leben in der Stadt, die um 23:00 Uhr schläft?

Heute hat unser Intensivkurs begonnen, von 9:30-12:00 Uhr haben wir von nun an fünf Tage die Woche in einer kleinen Gruppe (ca. 12 Personen) Farsi in der Mittelstufe 1 - cheily chube! Allerdings bin ich dadurch wieder bei meiner alten Lehrerin gelandet, in meinen Augen eine Veteranin des Klassenzimmers, mit entsprechendem Auftreten und entsprechender Didaktik. Zack zack & Reden wie ein Wasserfall. Woher kommen Sie? Warum studieren Sie Farsi? Lesen! Antworten! Wie viel Liebe braucht ein Kind? Mögen Sie Märchen? Interessant, Sie waren in Ägypten, da erzählen Sie doch nächste Woche dem Kurs mal etwas über Misr! Für meinen Geschmack (und vor allem mein Hörverstehen) etwas zu turbulent und sprunghaft, aber es soll ja spannend bleiben, weswegen ich einigermaßen zuversichtlich den kommenden sechs Wochen entgegen blicke, denn solange dauert der aktuelle Kurs. Außerdem war ich heute mal wieder in der City, und habe „Die Suche nach den Karteikarten“, Klappe, die 8., gedreht - und siehe da: Mit Erfolg! Zwar sind die Karteikarten hier dünn wie Butterbrotpapier, aber das hat ja auch etwas Gutes, denn so bekomme ich gewiss die 5fache Anzahl an Karten in meine AOL-Lernbox. Obendrein bin ich heute wieder durch die Buchläden der Enqelab gestromert und habe einen Autor entdeckt, über den ich mir vor meiner Abreise den Kopf zerbrochen habe, ob ich ihn in den Koffer legen sollte: Karl R. Popper oder Kaarl Pupr, wie er hier bekannt ist. Der Verfechter der offenen Gesellschaft stand mit dem Büchlein „Azadi wa mas’ulijat-e roushanfekr“ (Freiheit und die Verantwortlichkeit der Intellektuellen) im Schaufenster eines Buchgeschäfts gegenüber des Sepideh-Kinos. Wie sich herausstellte, führte der Laden - nebst Foucault, Nietzsche, Wittgenstein und anderen - tatsächlich ca. 30 Regalzentimeter Popper, darunter auch dessen Opus Magnum „Die Feinde der offenen Gesellschaft“ I und II, auf Farsi versteht sich. Da war ich gelinde gesagt überrascht, denn inwieweit Iran eine offene Gesellschaft ist, darüber lässt sich gewiss streiten; ich empfehle hier nur: Man lese Platon und Khomeyni parallel! Doch wahrscheinlich wird die Rolle der Intellektuellen einmal mehr humanistischen Idealen verfangen überbewertet und die Mär von der dem Schwert überlegenen Feder ist eben nichts weiter als das…

Ansonsten war ich inzwischen beim Friseur, bin allerdings der Meinung, dass eine radikale Kurzhaarkur mir durchaus dienlich sein könnte. Denn ich werde jeden Tag mindestens dreimal nach dem Weg nach A, B oder C gefragt und inzwischen wurde mir von diversen Seiten gesagt (zuletzt von einem Taxifahrer), ich sähe aus wie ein Iraner (oder alternativ Pakistani oder Afghane). Um solchen Missverständnissen in Zukunft einen Riegel vorzuschieben, sind in meinen Augen maximal 2,5cm Haupthaar durchaus angemessen, denn der orientalische Mann scheint auf seine dunkle, gegelte oder pomadisierte Haarpracht großen Wert zu legen. Leider kostet hier ein Haarrasierer zwischen 300.000 und 600.000 Rial (das entspricht etwa 25 bis 50 Euro), weswegen ich noch als verkappter Iraner diesen Eintrag schreibe. Doch ich bleibe am Ball und bin der festen Überzeugung: Die Tage meiner vermeintlichen einheimischen Haare sind gezählt! Und ehe ich es vergesse, eine weitere kurze Anekdote aus der Kategorie „orientalisches Outfit“: Ich war vor gut einer Woche in einem Photogeschäft, um Passbilder für meinen Uni Tehran-Ausweis zu machen. Wie sich später herausstellte, haben die Photographen ein paar chirurgische Änderungen an meinen Bild vorgenommen, wobei die massivste - abgesehen von dem rosigen Pascha-Teint - die Entfernung meines Muttermals auf dem Nasenbein darstellt. Be choda! Ich glaube es wird wirklich Zeit, dass hier einmal ein offeneres, will heißen anderes Menschenbild Einzug erhält. Ich werde mich ganz vorne dafür einsetzen und vielleicht hilft ein neuer Haarstil der Freiheit mehr als verantwortliche Intellektuelle.

So viel für heute, die Küche scheint geräumt, es ist nicht mehr ganz früh und ich habe gerade eine Mücke erlegt, die ich meinen Badezimmer-Salamander (siehe unten) zum Fraß vorwerfen muss. Ich hänge ein paar kunterbunte Photos ohne festes Thema an. Viel Spaß damit und ta ba’ad!
BuchfundeEndlich! Karteikarten!
Mirdamad Blv.: Iranischer SaturnMirdamad Blv.: Welt 2.0 trifft Welt 1.0Enqelab: Mural 1Enqelab: Mural 2Enqelab: Sepideh Kino, Asien, Bollywood, Dänemark (Lars von Trier)Vali Asr: Iranisches FilmmuseumVali Asr: Filmmuseum, Iran-Irak-KriegsfilmeVali Asr: Filmmuseum, KinderfilmeVanak: SpaceburgerTajrish: Die deutsche BäckereiTajrish: BusbahnhofTajrish: Der Moschee neue KleiderNilufar: Shar-e shokolatNilufar: Paradiesisch, und Haribo für 3 für 2

21 Oktober 2007

Wo sind eigentlich die Perser hin?

Es ist schon fast eine Woche her, da habe ich eine kleine, aber in meinen Augen interessante Entdeckung gemacht. Ich war einmal wieder auf der Suche nach DIN A8 Karteikarten - inzwischen bereue ich es sehr, am Hamburger Flughafen beim Einchecken meinen Karteikarten wegen Übergewicht aus dem Koffer geworfen zu haben, denn man bekommt wirklich alles in dieser Stadt außer linierte DIN A8 Karteikarten! Diesmal suchte ich die ersehnten Karten also in einem kleinen Schreibwarenladen am Tajrish, doch wieder kein Erfolg. Dafür aber entdeckte ich in einem Regal hinter dem Verkäufer eine schwarze DVD-Hülle mit blutroten Lettern: „300“. Die Comicverfilmung von Zack Snyder über die Schlacht bei den Thermopylen, 300 Spartaner gegen 1.000.000 Krieger des altpersischen Großkönigs Xerxes. Ein Ereignis, überliefert vom griechischen Historiographen Herodot, welches im 5. Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung stattgefunden hatte, 1998 vom US-amerikanischen Comicautor Frank Miller zu Papier gebracht wurde und 2007 schließlich als überstilisiertes und bluttriefendes Heldenepos in die Kinos kam - und prompt eine kleine internationale Krise auslöste (siehe beispielsweise hier, hier und hier). Die Journalistin Azadeh Moaveni schrieb in Anspielung auf die Headline einer iranischen Tageszeitung im Time-Magazine: „It is going to take an act of foolhardy courage to distribute that film in Iran. It will truly be 70 million against 300.“

Entsprechend überrascht war ich, den Film hier zu finden. Obgleich diese Überraschung möglicherweise ungerechtfertigt ist, denn in den Läden an der Chiabune Jumhuri bekommt man jeden ausländischen Film, bereits 3 Minuten nach dem er in Los Angeles über die Leinwand flimmerte. Nichtsdestotrotz wollte ich die Gelegenheit nutzen und mir selbst ein Bild von „300“ und seinem kulturkämpferischen Potenzial machen (zumal ich den Film bis dato nicht gesehen hatte). Also habe ich den Film (gebrannt auf zwei CDs und in krakeliger Schreibschrift beschriftet - selbst für iranische Verhältnisse äußerst unprofessionell) gekauft und am Freitag in meinen Laptop geworfen. Wer „Sin City“ mochte, wird an dem bildgewaltigen Film seine Freude haben. Wer eine historische Lehrstunde erwartet, hat etwas grundlegend nicht verstanden. „300“ war, wie gesagt, ursprünglich ein Comic, klare Bilder, kaum Nuancen und Zentrum des Films (bzw. noch mehr des Comics) ist ein Haufen Spartaner, reduziert auf einen einzigen Aspekt: Mord und Totschlag. Xerxes (der in der Tat etwas lächerlich, um nicht zu sagen *** aussieht) und seine Horden sind dafür nicht mehr als die Folie, vor der die Protagonisten aus Sparta in Aktion treten. Wie es sich für einen klassischen Folien-Film - einem Film, dem es nur um eine Seite, einen Aspekt geht – geziemt, sind sämtliche Antagonisten maskiert, gewissermaßen unpersönlich (unmenschlich hingegen wirken eher die spartanischen Kampfmaschinen). Die Aktion kann sich also ganz auf die 300 konzentrieren.

Wie dem auch sei, warum das große Tohuwabohu um diesen Film? Eines wurde relativ schnell deutlich: Wann immer in der englischen Tonspur von „Persians“ die Rede war, sprachen die Farsi-Untertitel von „Iranern“. Das kann natürlich falsch aufgefasst werden und das Ziehen von Parallelen ermöglichen, wo nie Parallelen angedacht waren. Das Problem ist, der Terminus „Persien“ ist eine okzidentale Konstruktion, Bezug nehmend auf die iranische Einzelregion Pars; in Iran war hingegen für die hiesige Bevölkerung - auch zu antiken und vorantiken Zeiten - stets der Begriff „Iraner“ (von Eran Schahr) verbreitet, von „Persern“ hingegen keine Spur. Somit fällt das Differenzieren schwer. Während der Film sich auf die alten Perser bezieht (in deren Tradition sich allerdings auch noch viele Iraner des 21. Jahrhunderts sehen, man bedenke nur die Nu-ruz-Feierlichkeiten zum Jahreswechsel), wird in der Farsi-Version von „300“ durch die Bezeichnung „Iraner“ (für die eigentlich gemeinten Perser) eine direkte Kontinuität zwischen Thermopylen und dem heutigen Iran etabliert. Dumm gelaufen. Inwieweit allerdings ein nicht-iranisches Publikum tatsächlich Parallelen zwischen den Persern aus Snyders Comicverfilmung und dem aktuellen Iran zieht, sei dahin gestellt (siehe hierzu auch hier). Viel spannender ist die Frage, wer, wann, wie in Iran den Diskurs mit dem 300-Thema angereichert hat. Aber diese Frage übersteigt allerdings meinen aktuellen Kenntnisstand.
Iraner!Noch mehr Iraner!Heute befreien wir eine Welt von Mystizismus und Despotismus! - Achso...

15 Oktober 2007

Drei Tage, drei Städte...

...ein guter Schnitt, fast wie in alten Interrail-Tagen. Wie im letzten Eintrag angekündigt, habe ich zusammen mit drei anderen deutschen Studenten das Wochenende bzw. den id-fitr-Feiertag dazu genutzt, um einen ersten Kurztrip gen Zentraliran zu starten. Kashan, das Bergdorf Abyuneh und Yazd standen auf dem Programm. Gereist sind wir mit dem Bus, was immer etwas abenteuerlich ist, wenn man den iranischen Fahrstil und die Qualität vieler Überlandstraßen bedenkt und sich außerdem vor Augen hält, dass es hier jährlich ca. 27.000 Verkehrstote gibt (in Deutschland waren es 2006 knapp über 5.000); AP sprach erst jüngst von den iranischen Straßen als zu den „gefährlichsten weltweit“ zählend. Wenn mich nicht alles täuscht, stammt zudem nur ein Bruchteil dieser Unfalltoten aus dem Stadtverkehr; da sind die Straßen so verstopft, dass es meistens bei Blechschäden bleibt. Wir haben uns dann für zuerst für einen Volvo entschieden (die sollen angeblich sicherer sein als die alten Mercedes-Busse, doch wenn man einen Days-of-Thunder-Fahrer erwischt, ist es bald herzlich egal, ob man in einem schwedischen oder einem deutschen Geschoss sitzt), haben dann zwischenzeitlich auf die gute alte Bahn umgesattelt und die Rückfahrt mit einem Scania angetreten. Aktuell würde ich sagen, die Bahn bringt’s auch in Iran, zumal Fliegen hier langsam etwas heikel wird, da das internationale Embargo gegen das Land vor allem den Flugverkehr trifft, weil für Wartungsarbeiten primär europäische oder amerikanische Teile benötigt werden (den russischen traut man nicht über den Weg, wie mir ein iranischer Bekannter erzählte). Doch weg von Transportfragen, hin zur Reise an sich - der Reihe nach, was ist wo, wie passiert.

Kashan – City of Silence
Unsere erste Station, die Kleinstadt Kashan, wurde uns von verschiedenen Seiten wegen ihres beschaulichen Lebens, ihrem entspannten Bazar und ihren architektonischen Zeugnissen der Qajaren-Zeit ans Herz gelegt. Das Architektonische war dann auch in der Tat sehenswert. So reihen sich beispielsweise entlang des Bazars verschlafene Hinterhöfe mit Wasserbassins und Blumenbeeten und in der Altstadt liegen mehrere restaurierte herrschaftliche Häuser (offenbar gab es davon einst hunderte in Kashan, doch die meisten wurde inzwischen vom Zahn der Zeit zernagt). Wir waren im Chuneh-ye Ameriha, Herrschaftssitz eines Gouverneurs der Qajaren, mit vier Innenhöfen, zwei Badehäusern, Dutzenden Zimmern und einem grandiosen Dachausblick über Kashan und die fernen Zagros-Berge. Der Bazar hielt ebenfalls, was versprochen worden war; keine Hektik, ansonsten aber ein ganz normaler Bazar (wobei sich darüber streiten ließe, ob ein unhektischer Bazar im Orient als normal gelten kann). Das Beste an Kashan war aber das beschauliche Leben in der Altstadt, wobei der Ausdruck „beschauliches Leben“ die Situation nicht zur Gänze erfasst. In der Altstadt von Kashan schlenderten wir durch von Lehmmauern gesäumte Straßen in denen absolute Stille herrschte; Beige und Braun dominierte die Szene, während über uns ein absolut klarer blauer Wüstenhimmel hing. Sehr beeindruckend, wenn man gerade aus dem turbulenten Teheran kommt und in meinen Augen das beste Erlebnis in Kashan.

Abyuneh – The Hills Have Fleas
Nach einem Tag Kashan haben wir uns bei einer Travel Agency ein Tagestaksi (Savari) besorgt, um von Kashan ins etwa 80km entfernte Bergdorf Abyuneh zu düsen; düsen trifft es in diesem Fall genau, denn in meinen Augen gibt es nach den Überlandbussen nur noch ein gefährlicheres Vehikel in Iran und das sind ca. 20 Jahre alte Paykan-Überlandtaksis, ohne Stoßdämpfer und Sicherheitsgurte, dafür aber mit waschechten DoT-Fahrern. Ich hasse solche Touren! Vor allem wenn in Kurven und Serpentinen immer schön in die Mitte der Gegenfahrbahn gefahren wird, weil man ansonsten ja abbremsen müsste - wird schon gut gehen, inshahallah, und tatsächlich, wir haben’s überlebt. Auf der Hinfahrt gab’s dann auch noch ein kleines Schmankerl: Die Atomanlage von Natanz, mitten in der kargen, braun-schwarzen Einöde, schon von weitem angekündigt durch diverse Flak-Stellungen, die auf der Suche nach israelischen oder US-amerikanischen Besuch, ihre Mündungen in den Himmel reckten. Abyuneh war dann noch mal eine Steigerung gegenüber Kashan. Zwar ist das kleine Dorf, dessen rote Lehmhäuser sich an eine Bergklippe schmiegen, in meinen Augen gar nicht sooo spektakulär, dafür ist aber die Gegend selbst umso eindrucksvoller. Gigantische rostbraune, zerklüftete Berge, dazwischen ein grünes Tal und knallblauer Bergruhe - die erneute totale Ruhe muss ich wohl nicht extra erwähnen. Ich kam mir vor wie auf dem Mars (sieht man mal von dem grünen Tal ab) und weiß nicht, ob die Bilder unten diesen Eindruck wirklich widerspiegeln können. Sollte ich noch mal länger im Iran sein, sollten ein paar Tage Wandern in den Zagros-Bergen von Abyuneh auf jeden Fall auf dem Programm stehen. Eine kleine Kostprobe haben ich und Ulf (einer der deutschen Studenten) dann auch gleich genommen und sind in die Berge hineinmarschiert. Auf dem Rückweg sind wir dann auf einige Schäferhöhlen gestoßen und haben den fatalen Entschluss gefasst, in eine der Höhlen hineinzuschauen; wir hatten Mutanten erwartet (die Gegend passte bestens in Alexandre Ajas Wes Craven-Remake), fanden aber, wie sich alsbald herausstellte, nur jede Menge FLÖHE, bzw. sie uns. Das war nun mal gar keine angenehme Angelegenheit, zumal jeder von uns wohl an die 100 Plagegeister abkommen hatte. In einer ersten Reinigungsarie in Shorts in einem Hinterhof von Abyuneh - begleitet von dem Gedanken im nächsten Moment aufgrund angeblicher Schwulitäten festgenommen zu werden - konnten wir zwar die meisten Biester loswerden, haben uns dann aber zurück in Kashan erstmal fesche iranische Stoffhosen gekauft und uns ausgiebig geduscht, was laut Auskunft eines Apothekers hätte helfen sollen. In meinen Fall hat es das auch, aber Ulf ist wohl nicht alle blinden Passagiere losgeworden und hat sich dummerweise eine bakterielle Infektion + fiesen Hautausschlag eingefangen, wie sich in den folgenden zwei Tagen herausstellte.

Yazd – Der Hippietrail lebt!
Entfloht (zumindest dachten wir das) sind wir dann von Kashan mit dem Nachtzug nach Yazd gefahren. Yazd gilt als eine der ältesten Städte Irans (die Altstadt soll laut UNESCO sogar einer der ältesten Siedlungsräume der Welt sein) und war einst Zentrum des zoroastrischen Glaubens. Was die Stimmung in der verwinkelten, teils überdachten, durch Lehm- und Sandbauten dominierten Altstadt angeht, lässt sie sich diese mit Kashan vergleichen, auch wenn Yazd in Sachen Größe Kashan weit übertrifft. Das markanteste Charakteristikum von Yazd sind die vielen Badgirs, die Windtürme bzw. dem Wortlaut gemäß „Windgreifer“; aus vielen Dächern der Stadt ragen sandfarbene Türme, die jeden noch so schwachen Windhauch einfangen und über ein System aus Lüftungsschächten und Wasserkühlungen in das Innere von Gebäuden leiten, um dort für angenehmes Klima zu sorgen. Neben der Altstadt und ihrer Badgir-Skyline waren besonders die zoroastrischen Grabberge, die sogenannten Dakhmeh-ye Zartoshtiyun, imposant; zwei gewaltige Berge am Rand der Wüste, auf deren Spitzen einst die Anhänger des zoroastrischen Bekenntnisses ihre Toten „beluftigten“. Um die Erde durch die Toten nicht zu verschmutzen, führten die Zoroastrier Luftbestattungen durch. Dabei wurden die Toten auf den Bergen drapiert und ihr Fleisch von tierischen Aasfressern verspeist. (Seit den 1960er Jahren ist man allerdings dazu übergegangen, Tote in Betonsärgen zu bestatten.) Eine ganz neue Erfahrung bot sich schließlich in unserem Hotel (Silk Road), direkt an der Freitagsmoschee von Yazd: Ausländische Touristen! Und zwar eine ganze Handvoll. Neben verschiedenen Reisegruppen und einigen Individualtrekkern hatten sich dort auch einige Blumenkinder eingefunden, die auf dem Weg nach Pakistan mit Endziel Indien waren. Außerdem sind wir dort zwei Dänen (24 und 25 Jahre alt, beide Umweltwissenschaftsstudenten) begegnet, die von Dänemark ebenfalls auf dem Weg nach Indien waren - mit Motorrad, um vom Vertrauten ins absolut Fremde zu reisen, dabei aber fließend von einer Kultur in die nächste zu wechseln und so den Wandel der Verhältnisse nicht als Zäsur zu erleben. Coole Sache! Inzwischen müssten sie im pakistanischen Grenzgebiet angekommen sein.

Für uns ging es vorgestern zurück nach Teheran und inzwischen waren wir wegen unserem Floh-Vorfall auch noch mal beim Arzt des Vertrauens der deutschen Botschaft (und haben prophylaktisch Anti-Floh-Seife und -Shampoo verschrieben bekommen). Summa summarum eine erster schöner Kurztrip, sieht man von den Flöhen und der Pfefferminz-Pizza in Kashan ab, auf die wir zurückgreifen mussten, weil das Delpazir, laut Lonely Planet das beste iranische Restaurant um Fesenjun zu essen, dauerhaft dicht gemacht hatte. Weitere Reisen werden gewiss folgen!
Teheran: Getting startedKashan AltstadtKashan: Auslandsstudium gefällig?Kashan: Flucht aus cthuloiden SchächtenKashan: Bazar HinterhofKashan: Agha Bozorg MoscheeKashan: Agha Bozorg Moschee - auch Sport muss sein!Kashan: Chune-ye AmrihaKashan: Dach des Chune-ye AmrihaKashan: KäseKashan: Klopfen für die Damen, Klopfen für die HerrenKashan: EinkaufenKashan: Kulinarische Schätze des Orients, Popcorn zum BeispielKashan: Enemenemopel im Iran isst man...Abyuneh: AnfahrtAbyuneh: Das DorfAbyuneh: Das Dorf 2Abyuneh: FastenbrechenAbyuneh: BerglandschaftAbyuneh: Ich habe keinen Bauch! Das ist die Kameratasche!Abyuneh: Ein weiterer Totenschädel-Skandal!Abyuneh: Fatale Entscheidung - Flöhe!!!Kashan: New PantsNach Yazd: Teatime on TrainYazd: AbenddämmerungYazd: SonnenuntergangYazd: Silk Road HotelYazd: Von Dänemark nach IndienYazd: Bei Nacht, direkt gegenüber des Silk RoadsYazd: Badgir-SkylineYazd: Badgirs der ModerneYazd: Der höchste Badgir der Stadt, 33mYazd: Badgirkammer von InnenYazd: Pipsi keeps us goingYazd: SpielplatzYazd: Deutsche Touris mit Guide in der FreitagsmoscheeYazd: Zoroastrischer GrabbergYazd: Zoroastrischer Grabberg 2Yazd: Ausblick auf Yazd vom Grabberg, vorne der aktuelle zoroastrische FriedhofYazd: Dach einer zoroastrischen RuineYazd: Zoroastrischer Feuertempel (Ateshkadeh)Yazd: Ewige Flamme im Ateshkadeh (brennt sie wirklich seit dem Jahr 410 u.Z.?)Yazd: Wie war das mit dem barg be amrikah?Rückfahrt: Zagros-BergeRückfahrt: Kulinarisches Abenteuer in einer Raststätte

10 Oktober 2007

Das Große Krabbeln I & II

Da die großen Erzählungen bekanntlich inzwischen zu Grabe getragen worden sind, werde auch ich der Chronologie den Laufpass geben und mich dem Fragmentarischen, dem Situativen zuwenden. Somit gibt es nun quasi eine „The Best of“-Berichterstattung, da mich alles andere auch über Gebühr an den Rechner fesseln würde.

Ich habe in der Alltagsanwendung ein neues Wort gelernt: Susk bzw. Susk-e Hammam. Susk ist geschätzte 20cm groß, doppelt so lang mit Fühlern, besitzt einen hellbraunen Chitinpanzer und garstige Widerhaken an den Beinen (von denen es meines Erachtens sechs hat). Und Susk saß vor ein paar Tagen auf meinem Zimmertürrahmen und war dabei Flugübungen zu machen; zumindest sah es für mich danach aus, doch inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob Susk überhaupt fliegen kann. Ich bin ja sonst kein allzu schreckhafter Mensch (was Flora und Fauna angeht), doch Susk war wirklich… beeindruckend, um es euphemistisch zu formulieren. Da Susk auch noch der europäische Inbegriff für Krankheit, Unhygiene, Tod, Verwüstung, Pestilenz und einiges mehr ist, erreichte meine Beeindrucktheit bis dato ungekannte Ausmaße. Zumal ich nicht einfach den nächsten Puschen greifen konnte, um Susk damit zu Leibe zu rücken – Susk sah so aus, als hätte es schon drei Paar Wanderstiefel zum Frühstück verputzt und darüber hinaus hätte Susk unterm Puschen eine gewaltige Splatter-Orgie verursacht, die mein Zimmer gewiss auf Wochen unbewohnbar gemacht hätte. Letzten Endes habe ich Susk dann mit einer aufgeschnitten Wasserflasche eingefangen und auf den Balkon bugsiert. „Leider“ ist Susk dabei am Boden der Flasche auf den Rücken gefallen und hat in dieser Position die letzten zwei Tage verbracht. Heute Morgen, im Tehraner Frühnebel, ist Susk von uns gegangen. Die Trauergäste waren aber auch schon da; einen Nachzügler habe ich gerade erst im Waschkeller getroffen. Da mir gesagt wurde, Susk und seine Freunde seien das „iranische Haustier“ par excellance, ganzgleich wo man wohne, habe ich mich inzwischen mit der Situation abgefunden, mein Badezimmer bzw. die dortigen Abflüsse hermetisch versiegelt (endlich hat Cheops’ Dasein einen Sinn!) und prüfe dreimal meine Schuhe, bevor ich hineinschlüpfe. Allerdings sind mir unser weißer Gartenfuchs und der Duschkabinen-Salamander immer noch lieber als Susk’s Genosssen. Soviel zu Teil I.

Teil II hat bereits am 07. Oktober stattgefunden und zwar in der Residenz des deutschen Botschafters direkt nebenan; ein verzögerter Empfang zum Tag der deutschen Einheit (am 03.10. konnte dieses denkwürdige Ereignis zur Erinnerung an „blühende Landschaften“ aufgrund des Imam Ali-Tages nicht begangen werden). Ursprünglich war eine Garten-Partey (treffender ist Park-Partey, denn der Residenzgarten ist wahrlich groß) geplant, die aber im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel, da am Abend – während durch die Straßen testweise „Ode an die Freude“ und „Meiner kleiner grüner Kaktus“ scholl – dunkle Gewitterwolken aus den Bergen herab kamen. Im Endeffekt drängten sich alle erlauchten 800, bzw. 2000, bzw. 3000 Gäste (die Zahlen widersprechen sich, aber voll war es alle mal) im Wohnzimmer der deutschen Residenz und den angrenzenden Räumlichkeiten. Es gab lecker Buffet mit Kartoffelsalat und Würstchen (leider iranische), einheimische Reisgerichte, ein Rede, einen Kinderchor, eine Erfan-Band, diverse iranische Schauspielgrößen (olala!) und Regen, Regen, Regen. Ich habe mich mit meinen iranischen Freunden gut unterhalten und außerdem einen deutschen Professor für Atmosphären-Forschung aus Mainz kennen gelernt, der gerade in Esfahan eine Station zur Messung der Luftverschmutzung aufgebaut hat (ein lange überfälliges Projekt). Der Abend war unterhaltsam, die Begegnung mit Susk aber in der Tat spannender.

Ansonsten bin ich am Dehkhoda inzwischen in einen neuen, kleineren Kurs gewechselt (was sehr gut ist, auch wenn die Inhalte noch sehr einfach sind), habe gleich zur Einstimmung Hänsel & Gretel auf Farsi erzählt (was sich in etwa so anhörte: „Pesar-e badsche wa charharasch be dschangal-e bozorg madschbur budand berawand, dschon pedar-o-madareschan cheily bipul budand wa pas anha baraye kudakaneschan radha nadashtand…“) und mir ein phattes iranisches Handy zugelegt (okay, ist von Motorala), damit ich ganz kosmopolitisch gleichzeitig mit Deutschland und Iran in Verbindung bleiben kann. Da sich inzwischen das Ende des Ramadan nährt, hoffen wir auf ein paar freie Tage übers Wochenende, um eine erste Irantour zu starten. Morgen früh fahren ich und einige der deutschen Studenten auf jeden Fall mit dem Bus in die kleine, traditionelle Bazarstadt Kashan an den Ausläufern der Zagros-Berge und - wenn der Mond mitspielt - später noch weiter in die Wüstenstadt Yazd. Das wird sicher interessant, Berichte folgen. Vorerst verbleibe ich mit schönen Grüßen aus Teheran und sage: Choda hafez!
SuskCheops AbflussbarikadeBadewannensalamanderIm Regen...LuftballonsRegen...Garten... Park... wie auch immerSocializingEcht schnieckeDeutschiranische VampireLinks, ein berühmter Schauspieler

05 Oktober 2007

Bücher, Berge, Badminton

Lang leben die Alliterationen! Doch ich bin zu müde, um einen besseren Titel zu kreieren. Die letzten Tage im Schnelldurchlauf, denn morgen ist hier Montag (shanbeh), das heißt früh aufstehen, diverse Dinge erledigen und dann nachmittags Sprachkurs, deswegen sollte es relativ früh ins Bett gehen und darum wiederum gibt es keine umfassende Retrospektive.

Vorgestern war hier ein hoher religiöser Feiertag (der Todestag von Imam Ali, der 4. Kalif und zentrale Bezugsgestalt der schiitischen Konfession), weswegen die Millionenmetropole einen seltenen Moment der Ruhe erlebt hat. Ich habe den Tag genutzt, um meine Füße zu regenerieren und mich mit Ferdowsi vertraut gemacht. Gestern bin ich dann mit einem Taksi ins Stadtzentrum gedüst, habe mich in der deutschen Botschaft gemeldet, Ingo und meine Blutgruppe kennen gelernt (besser ist, man weiß ja nie, danke Lisa) und bin anschließend durch den quirligen Stadtkern geschlendert. Wenn jemand E-Gitarren, LG-Flachbildschirmfernseher und Verstärker in Teheran sucht, dann empfehle ich die Jumhuri-e Eslami Straße, da findet man alles. Ich war im Stadttheater, das leider gerade renoviert wird und aktuell kein Programm hat und bin dann weiter Richtung Universität Teheran gestromert, dorthin, wo laut dem Lonely Planet die größte Buchhandlung der Welt zu finden ist; genauer genommen sind es unzählige kleine Buchgeschäfte, die sich an der Chiabune Enqelab, der „Straße der Revolution“ ballen. Da ja immer noch Ramadan und im Zentrum der Stadt extrem viel Verkehr (ergo nicht die beste Luft) ist, habe ich den Buchbummel allerdings nach einiger Zeit abgebrochen, da ich nicht völlig ausgelaugt auf dem Asphalt zusammenklappen wollte. Mit einem überteuerten Taksi ging es dann zurück gen Norden und siehe da, am Tajrish war die Luft zumindest meiner Nase nach auch gleich um Meilen klarer. Heute ging es dann mit einem Großteil der restlichen deutschen Dehkhoda-Studenten in die Berge, die sich, wie ja schon auf den Photos zu sehen war, direkt im Norden der Stadt in den Himmel schieben. Eine kleine Bergwanderung gehört wohl mit zu den sonntäglichen Lieblingsbeschäftigungen der Tehraner (und auch sonst sieht man am Meydan-e Tajrish immer wieder Frauen und Männer mit Trekkingrucksäcken und Wanderstöcken), allerdings waren die Bergpfade heute relativ mager frequentiert, was aber wohl am Ramadan liegt (da wollen die wenigsten eine Bergwanderung auf sich nehmen). Eine Liftfahrt, ein großartiger Ausblick über Teheran, nicht vorhandener Autolärm und noch klarere Luft gehörten mit zur Ausflugstour und haben den Nachmittag sehr angenehm gemacht. Anschließend sind wir noch, begleitet von Rabengesängen, durch den Sa’d Abad Komplex spaziert - ein großes Areal, das einst dem Schah als Sommerresidenz diente und heute mehrere Museen umfasst. Danach nach hause und jetzt will ich nur noch schlafen; das wird wohl auch möglich sein, denn heute steht offenbar kein abendliches Badminton-Turnier auf der Terrasse an, wie die letzten Abende. Wie gesagt, morgen ist Montag. Guten Abend, gute Nacht, shab be-cheyr!

Im GartenFerdowsiimGartenStadtverkehrHightechampelnBergliftSeilbahn (teleski)Seilbahnfahrt hochSeilbahnfahrt runterBergstadtpanoramaDas Wandern ist des...... das Waa-aan-dernMoscheeamTajrish