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30 September 2007

Angekommen

Jetzt bin ich also seit knapp 24 Stunden in Teheran. Da ich aber weder Bauer heiße, noch aus L.A. stamme waren diese 24 Stunden vergleichsweise geruhsam.

Wie den meisten bekannt, bin ich aktuell in der Außenstelle des Deutschen Archäologischen Instituts untergekommen; ein zweigeschossiges Haus, mit Wohnküche, Büros, einer großen Bibliothek, fünf Gästezimmern im Obergeschoss, Terrasse und großem Garten. Die DAI-Außenstelle liegt im Norden der Stadt, südlich des Meydan-e Tajrish, einem urbanen Knotenpunkt mit Bazar, Krankenhaus, Kino und Parks (zumindest sagt das mein neuer Stadtplan). Die deutsche Botschaft liegt hier gleich nebenan und auch das Dehkhoda-Institut, wo der Farsi-Unterricht stattfindet, ist nicht weit - zumindest nicht soweit wie der Weg für andere der deutschen Studenten ist, die momentan noch in der Nähe des Meydan-e Khomeyni im südlichen Zentrum wohnen. Mit cirka einem Kilometer Luftlinie lobe ich mir doch meine Lage, vor allem wenn man bedenkt, dass auf den Straßen Teherans über zwei Millionen Autos unterwegs sein sollen. Da wird jede Fahrt vom Zentrum in den Norden - der Meydan-e Khomeyni ist von hier etwa 12 Kilometer entfernt - zu einer kleinen Odyssee. Da die 2+ Millionen Autos (von denen die wenigsten Paykan-Modelle sind, wie sonst gemeinhin angenommen) zudem alle, sagen wir… „sportlich-spontan“ unterwegs sind, habe ich mich dann auch für einen Fußmarsch zum Dehkhoda entschieden, um ein wenig die Umgebung kennen zu lernen.

Es heißt ja „Teheran“ bedeute „Ende der Straße“ (da einst die Hauptstraße, die aus der mittelalterlichen Provinzhauptstadt Rey gen Norden führte, hier endete), doch heutzutage kann von einem Ende keine Rede sein. Beim Spaziergang in Richtung bzw. besser gesagt in die etwaige Richtung des Dehkhoda-Instituts habe ich mich streckenweise wie in Knossos gefühlt - leider hatte ich keinen Faden, sondern nur einen Stadtplan, doch letzten Endes hat auch das funktioniert. Nur auf dem Heimweg wurde es noch einmal kompliziert, da ich in der rasch einsetzenden Dämmerung wohl etwas zu eilig durch die Straßen marschiert bin, deswegen ein paar Schilder missverstanden habe und letztlich erst nach einem größeren Umweg wieder in der Außenstelle angekommen bin als es schon stockfinster war. Nun ja, ist ja nichts passiert. Jetzt weiß ich zumindest wo das Dehkhoda liegt, wo ich einen Perserteppich bekomme, wo das iranische Filmmuseum steht und auch wo ich demnächst zum Friseur gehen werde. Außerdem wurde ich schon von einer Iranerin nach dem Weg zum Tajrish gefragt, passe wohl also ganz gut ins Bild. Das einzige Problem: Da Teheran bekanntlich das Alborz-Gebirge hinauf wächst (ich wusste gar nicht, dass der Mt. Damavand, der quasi direkt bei uns im Hintergarten steht und von dem auch das hiesige Flaschenwasser kommt, neben dem Kilimandscharo der höchste freistehende Berg der Welt ist) haben die Straßen hier im Norden alle ein ordentliches Gefälle. Sind meine Wandertage nun auch schon etwas länger vergangen und Geox-Schuhe, die man erst seit anderthalb Tagen trägt, nicht das idealste Schuhwerk, war das stete Straße-Hoch, Straße-Runter verbunden mit dem Hüpfen über die allgegenwärtigen Jubs (kleine Regenwasserkanäle entlang der Straßen) etwas zu viel für meine Füße. Habe aber schon diverse Apotheken gesichtet, die bestimmt Blasenpflaster führen (zumindest sind sie voll mit Nivea-, L’Oreal- und Braun-Artikeln) und ansonsten gehe ich morgen mit meinen Slippern auf die Straße oder warte darauf, dass mir der erste Besucher einen Schlitten mitbringt. Ein erster Gast kommt schon nächstes Wochenende: Professor Paul aus der Iranistik aus Hamburg. Als ich davon hörte, war ich in der Tat etwas überrascht, aber wie man sieht: Alle wollen nach Teheran!

Nun werde ich noch ein wenig Farsi üben (morgen habe ich wahrscheinlich meinen Einstufungstest am Dehkhoda) und dann ziemlich k.o. ins Bett fallen. Photos aus der Umgebung gibt es leider noch keine - habe ja leider nur zwei Hände und die eine musste den Stadtplan halten, die andere mein Notizbuch mit persischen Vokabeln. Dafür aber einige Bilder aus der Außenstelle, damit ihr seht, wie ich hier momentan wohne. Ansonsten lasst euch gesagt sein: Teherans Norden ist schön, es gibt immer wieder Parks und durch die Straßenschluchten sieht man gen Norden immer wieder karge Berghänge, die von Wolken umspielt werden.

Soweit erstmal, bis bald wa choda hafez!

PS: Irgendwo sollten hier drei Photos auftauchen - ich habe sie allerdings bisher nicht finden können, vielleicht habt ihr ja mehr Glück... ;-)

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